Wegbeschreibung von Friedrich Steinbock zu einer Aktion von Johannes Angerbauer:

 

T.A.04497 - Stationierung des 16. Transformators über der Idaeischen Höhle auf Kreta, am Freitag den 27. Juli 1997.

 

Zwischen Erde und Himmel, Felsen und Meer führt der menschliche Weg von Erde zu Erde. Der Wanderer stützt sich auf Wegmarken, Bildstöcke säumen die Pfade der Sterblichkeit, bannend den Drang nach dem Höheren in die Schlichtheit gemalter Gesichter und Heiligenscheine.
Namen und Bilder geliebter Gewesenheit, Zeugnisse alter Ehrfurcht, Verzweiflung und Hoffnung.
Der Alles Sieht und die Allheilige und die Auferstehung.
Und der den Drachen bezwang, liegt im Marmor verschlossen.
Der Vorletzte ist frisch getüncht und mit Blumen geschmückt.
Und die am Weg blieben und die man mordete und die der Berg und der Blitz holten.
Rost und Vergessenheit ausgesetzt.
Im Öl schwimmen Dochte, vom Feuer verlassen.
PANTA RHEI.
Rheia, im Schmerz der Geburt des unsterblichen Zeus, stützte sich auf den Felsen des Ida, und unter dem Druck ihrer Finger entwuchsen dem Stein die Daktylen: fünf Schwestern zur Linken, zur Rechten fünf Brüder.
Und einer war Herakles, der Idäische Daktylos, der nach Olympia ging und die heiligen Spiele begründete, die im Namen des Zeus die verfehdeten Völker vereinten.
Zwischen Herakleion, der Stadt des Herakles, und der Grotte des Zeus fanden sich auf dem Weg der TA, dichter als irgendwo sonst, 38 Bildstöcke (=Proskinitaria), Orte und Male persönlichen Glaubens, Gedenkens und Wallfahrens, aufgestellt für Verstorbene oder Heiligen für ihre Hilfe versprochen, jedes ein Schicksal, ein menschlicher Weg.
Ein griechischer Weg. Wie die Spiele der Alten gehören sie allein dem griechischen Volk, seinem Glauben entwachsen und in seine Erde gepflanzt.
 

Das Olympische Gold kehrt zum Ursprung zurück.

 


[ Die Handlung ]   [ 16. Transformator Index ]   [ Bildbeschreibung ]