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6. Material-Präferenz im Vergleich mit Yves Klein
 
6.3. Verkauf von "Zonen immaterieller malerischer Sensibilität"
 
Sein Konzept dieser Immaterialität bereicherte Klein durch weitere sinnliche Erfahrungen, indem er "Zonen immaterieller malerischer Sensibilität", verkaufte. Er ließ dazu eine Quittung drucken, die wie ein echter Bankscheck aussah. In Anwesenheit von Zeugen wurde dem Käufer eine "Sensibilitätszone" übertragen. Der Käufer zahlte mit reinem Gold und erhielt einen mit seinem Namen gekennzeichneten Scheck mit der Anmerkung: "Diese übertragene Zone kann von dem Eigentümer nur gegen den doppelten Wert des ersten Ankaufs abgetreten werden. (...) Der Überträger verliert dadurch seine eigene Sensibilität ganz und gar. (...) Um gänzlich der Sensibilitätszone teilhaftig zu werden, muß der Scheck verbrannt und die Hälfte des Goldes ins Wasser geworfen werden, dann ist sie nicht mehr veräußerbar."(141) "Kleins Quittungen hingegen waren Belege zur Verifizierung der Existenz eines unsichtbaren Kunstwerks, die bewiesen, daß ein formeller Verkauf dieses Kunstwerks abgewickelt worden war." (142)
 
Mit diesen Quittungen führte Klein acht Transfers von Immaterialität durch, die vereinzelt zu rituellen Ereignissen wurden. Klein legte in den Transfers fest, eine immaterielle Zone für Gold zu kaufen und anschließend die Quittung im Feuer zu vernichten. Durch diesen Akt entsteht nach Klein eine vollkommene Immaterialisierung und absolute Integration des Käufers in die Immaterialität. Es gab auch die weitere Möglichkeit, daß der Käufer das Goldgewicht gegen eine Quittung zahlte, jedoch behielt Klein das Gold und der Käufer erhielt nicht wirklich den "authentisch immateriellen Wert" des Werkes. (143)Unter Zeugen warf Klein die Hälfte des erhaltenen Goldes in ein Gewässer, wo es nicht mehr zurückgeholt werden konnte. Der Käufer war im Besitz von Immaterialität und Klein von der Hälfte des Goldes.
 
 
 
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6.2. Monogold und Bodenfelder  < Zurück                                   
 
(141) Kuhn, Anette 1991, S. 62
(142) Klein, Yves 1994b (zit. in Stich, Sidra 1994, S. 155)
(143) ebd.