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Index der Texte und Essays zu T.A.

Assmann Peter, Dr.Mag. Vorwort in der Prozessdokumentation zu T.A.02895 und T.A.03095
Glaser Helmut, Mag. Essay zum geplanten Projekt T.A.Olympia (Paralympic Games)
Heintel Peter, Univ.Prof.Dr. Essay "Kunst und Zeit" für die Kunstzeitschrift "Passagen 2/98"
Himmelbauer Leopold Vorwort in der Prozessdokumentation zu T.A.02595 "Jodschwefelbad"
Hochleitner Martin, Dr.Mag. Vorwort in der Prozessdokumentation zu T.A.03195 "Kunst94 Zürich"
Locicnik Raimund, Dr.Ing. Kommentar für die Kunstzeitschrift "Passagen 5/98"
Perner Rotraud A., Dr.Prof. Vorwort in der Prozessdokumentation zu T.A.03996 "Frauenhaus"
Ramsmaier Karl, Mag. Kommentar zur T.A.05098 "Kristalltag" und zum Projekt "Opferland"
Schmid Manuela, Mag. Magisterarbeit zu "Tellaura Anachtonismos"
Steinbock Friedrich Vorwort in der Prozessdokumentation zu "T.A.0189 bis T.A.0990"
Tolar Günter Kommentar zu T.A.03796 "Aidshilfen"

 

Ein Kommentar von Mag. Karl Ramsmaier
 
zum Internet Projekt "Opferland"                                                          Kommentar zur Aktion [ "Kristalltag" ]
ein work in progress
 
KONFRONTATION - VERSCHMELZUNG - TRANSFORMATION
 
"Zufällig" wurde der Steyrer Künstler Johannes Angerbauer im Jahr 2000 mit der NS-Propagandaschrift "Wie die Ostmark ihre Befreiung erlebte" konfrontiert. Ziel dieser Schrift war es, bei Kindern und Jugendlichen einen Heldenmythos des 'Führers' aufzubauen und zu verstärken. Herkunft, Werden und militärischer Erfolg Hitlers wurden im Text genau beschrieben. Neben der Beschreibung konnten die Kinder kleine Bildchen, die einen Teil der Lebensgeschichte Hitlers darstellten, in die als Sammelkatalog gestaltete Schrift einfügen. In Zigarettenschachteln waren diese Bildchen beigefügt, den Katalog konnte man billig in Trafiken erwerben. Dadurch sollte eine Massenverbreitung erreicht werden und schon Kinder mit dem Sammeln von kleinen Hitlerbildchen beschäftigt werden. Ziel jedes Kindes war es natürlich, den Katalog durch Tauschen möglichst rasch voll zu bekommen. Mit diesem Propagandabuch, das geschickt die Sammelleidenschaft der Kinder ausnützte, kam eine bebilderte Hitlerbiografie in die Familien. Solche Kataloge gab es damals auch mit Filmschauspielern. Nach dem 2. Weltkrieg wurde dieses Instrument oft bei Fussballweltmeisterschaften eingesetzt, wo die Kinder Bilder der Fussballer verschiedener Nationen sammeln konnten.

 

1. KONFRONTATION
Angerbauer konfrontiert den Heldenmythos dieser Schrift mit der Realität der Opfer. Er zeigt damit, wozu der Glaube an den 'Führer' geführt hat, zu Bergen von Leichen und oft blieb von den Menschen nur mehr ihre Schuhe und Koffer übrig. Dieser Heldenmythos wird bewusst in den Zusammenhang mit den Konzentrationslagern gebracht, wo der einzelne Mensch nicht mehr zählte, der Einzelne nur mehr eine Nummer war. Einerseits wird in der Propagandaschrift ein Mensch als Held aufgebaut, der sich aber andererseits als der grösste Verbrecher der Geschichte herausstellte. Das Bild des Führers auf dem Titelbild, wird mit dem Bild einer nackten, hilflosen Frau in einem Konzentrationslager konfrontiert.
Angerbauer führt diese Konfrontation nicht mit erklärenden Texten durch, sondern mit Bildern. Er setzt den glorifizierenden Bildern der Nazis GEGENBILDER der Realität der Opfer gegenüber. Der Macht der Bilder muss die Macht anderer Bilder entgegengesetzt werden, ein Text allein wäre wirkungslos. Die Propagandabilder der Nazis sollen nicht kommentarlos stehen gelassen werden.
2. VERSCHMELZUNG
Die Bilder der Propagandaschrift werden auf elektronischem Wege mit den Bildern der Opfer verschmolzen. Das eine, die Propaganda, kann nicht mehr ohne das andere, die Folgen der Propaganda und Ideologie, gedacht werden. Damit wird gezeigt, welche Folgen dieser Heldenmythos für viele Menschen gehabt hat. Mit dieser Verschmelzung werden teilweise die alten Bilder und der Propagandatext, unkenntlich, unleserlich, jedenfalls entscheidend verändert. Dadurch wird die Propaganda als Propaganda entlarvt und kann in Form von Propaganda nicht mehr wirksam sein.
3. TRANSFORMATION
Mit der Verschmelzung der Bilder und des Textes wurde die ursprüngliche Propagandaschrift in eine neue Wirklichkeit transformiert.
Sie wurde zur Mahnschrift vor totalitärer Herrschaft eines Menschen über Menschen, sie wurde zur Erinnerungsschrift an die Opfer, sie wurde zur Warnung vor der Macht der Bilder und sie zeigt die Strategie auf, dass solchen mythologischen Bildern nur wieder mit Bildern und zwar Bildern der Realität begegnet werden kann.

Steyr, 08. April 2001

[ Zum 'Kristalltag' Text ]

 

Mag. Karl Ramsmair

ist Theologe und Vorsitzender des Komitee Mauthausen Aktiv Steyr/Austria

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